Zurück auf dem Dorf

Am Donnerstag bin ich nach einem reibungsfreien Umstieg in London (nur eine Stunde Zeit) gegen 11 Uhr in Berlin Tegel getroffen. Mit meinem Vater ging es dann Richtung Skassa (Großenhain). Die Reise hatte vorerst ein Ende gefunden.

Natürlich habe ich mir bereits vor meiner Rückkehr eine kleine Liste mit Dingen gemacht, auf die ich mich bei meiner Rückkehr am meisten freue und die ich mittlerweile eigentlich alle umsetzen bzw. wieder genießen konnte:

  • warm duschen
  • Milchprodukte
  • weniger chaotische Situationen und Hupen im Straßenverkehr
  • regelmäßig Fußball schauen :-p
  • Schlafen ohne Moskitonetz (inklusive Kontrolle vor dem Schlafen)
  • kein Mückenspray mehr nutzen müssen
  • ausgiebig Frühstücken

Der Empfang durch Familie und Freunde war wirklich klasse. Der Umstieg von Ghana auf Deutschland ging zu meiner eigenen Überraschung recht flüssig von statten. Dann bleibt nur noch die Frage zu klären, wie ich meine Zeit in Ghana zusammenfassen würde. Dazu vielleicht ein die abschließenden Sätze aus meinem Reisebericht für IAESTE:

Ich habe mein IAESTE-Praktikum in Kumasi nur mit dem angelesenen Wissen über das Essen, die Kultur und die eventuellen Gesundheitsrisiken (Stichwort Malaria), aber jedoch ohne spezielle Erwartungen angetreten. Ghana war zugegebenermaßen auch nicht meine erste Wahl. Nach einer wirklich schönen Zeit muss ich sagen, dass ich es jeder Zeit wieder so machen würde und nicht europäische Länder sogar zuerst wählen würde. Ich kann ein Praktikum in Ghana/Kumasi nur empfehlen, wenn man bereit ist, sich auf die in wirklich jeder Hinsicht neuen Umstände einzulassen. Land und Leute machen es einem dann einfach, sich wohl zu fühlen.

Es war eine wunderschöne Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Zum Schluss möchte ich nochmal alle Geschütze auffahren und ein paar weitere Gedanken in Twi zum besten geben (Lautschrift):

Ma-adscho. Yefremi Christian. Mite Großenhain. Me do Ghana.

(Guten Abend. Ich heiße Christian. Ich wohne in Großenhain. Ich liebe Ghana.)

Ich in diesem Sinne: vielen Dank für das Lesen des Blogs. Ich habe mich wirklich über das Feedback gefreut. Es hat mir gezeigt, dass das Aufschreiben solcher Erinnerungen nicht nur für euch gut ist/war, sondern auch für immer dazu diente, das Erlebte zu reflektieren.

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Die letzten Tage in Ghana

Auch an meinem letzten Tag in Kumasi (12.09.) wollte ich nochmal etwas von den Sehenswürdigkeiten mitnehmen. Meine Sachen habe ich aus diesem Grund noch am Abend vorher größtenteils gepackt. Lorenz, Marcos, Mattias und Matthias‘ Vater (welcher ihn in Kumasi besucht hat) sind mit mir gegen 7 Uhr zum „Bobiri Forest Reserve“ aufgebrochen. Das Schutzgebiet ist dafür bekannt, ca. 400 verschiedene Schmetterlingsarten zu beherbergen und wird deswegen auch als „Butterfly Forest“ bezeichnet. Nach unserer Ankunft im nahegelegenen Dorf sind wir auf dem Hinweg zum Schutzgebiet gelaufen. Etwa 4 km Fußmarsch später mussten wir feststellen, dass leider kein Führer anwesend war. Ohne Führer bestand natürlich auch keine Möglichkeit, die einzelnen Trails zu laufen. Wir haben uns zum Warten entschlossen und wurden belohnt – ca. 30 Minuten später tauchte dann auch endlich ein Führer auf. Trotz seines Alters war dieser recht flott unterwegs. Auf dem Wanderpfad durch den Wald wurde uns auch dementsprechend wenig erklärt. Dennoch war der Aufenthalt mal wieder sehr entspannend. Schmetterlinge haben wir leider nicht so viele gesehen, da wir -wie so oft- zur falschen Zeit gekommen sind. In der Regenzeit gibt es wohl nicht so viele Schmetterlinge zu sehen wie sonst. Dennoch haben wir auf den Wegen einige begutachten können.

Unsere Begleiter und ihr Gefährt auf dem Weg zum Butterfly Forest

Unsere Begleiter und ihr Gefährt auf dem Weg zum Butterfly Forest

Nach einer kurzen Verschnaufpause haben wir uns zunächst zu Fuß wieder auf den Rückweg gemacht. Immerhin wollte ich am gleichen Tag noch nach Accra aufbrechen. Nach etwa einem Drittel des Weges haben wir dann ein vorbeikommendes Taxi genutzt, um uns zur Trotro-Station fahren zu lassen. Nach meiner Ankunft in Kumasi habe ich dann den Rest zusammengepackt, habe mich von den anderen Praktikanten verabschiedet und bin von der Busstation aus Richtung Accra aufgebrochen. Dieses Mal habe ich sogar zum teuren Bus gegriffen. Für 40 Cedi (ca. 10 €) bekommt man hier äußerst komfortable Sitze. Leider saß ich in der letzten Reihe. Meine heiß ersehnte Beinfreiheit habe ich schnell wieder eingebüßt. Der Grund war, dass auf den ersten 45 Minuten der Fahrt ein Prediger und sein Lakai (vor mir auf dem Boden sitzend) anwesend waren. Nach meiner Ankunft in Accra habe ich mich dann umgehend auf den Weg zur Unterkunft gemacht und den Abend mit den restlichen Praktikanten ausklingen lassen.

Am Sonntag (13.09.) wollte ich dann gleich nach Krokobite, einem kleinen Ort neben Accra mit einem schönen Strand, aufbrechen. Vorher standen jedoch noch die Geocaches auf dem Programm, die ich hier in Accra unbedingt machen wollte. Clemens, ebenfalls IAESTE-Praktikant aus Deutschland, hat mich spontan dabei begleitet. Wir sind zunächst zum Labadi Beach (bekannter Strand in Accra) aufgebrochen. Nachdem ich den ersten Cache eingesackt hatte, sind wir spontan zur nahegelegenen Baustelle der Labadi Beach Towers gelaufen. Ein paar andere Leute der Accra-Gruppe haben diese Türme wohl schon mal bei Nacht bestiegen. Nachdem ich zunächst nicht ganz überzeugt war, habe ich mich auf das Abendteuer eingelassen. Leider war es etwas diesig, weswegen wir nicht allzu viel vom Strand und der Stadt gesehen haben.

Die Türme am Labadi Beach

Die Türme am Labadi Beach

Clemens und ich auf den Türmen

Clemens und ich auf den Türmen (Bild von Clemens)

Im Anschluss sind wir einer weiteren Empfehlung gefolgt: dem Besuch der Accra Furqan Moschee. Derzeit ist es noch eine Baustelle. Dennoch wurden wir nach freundlicher Nachfrage von einem Türken über die Baustelle geführt und durften sogar das Minarett besteigen. Die Aussicht war klasse.

Accra Furquan Moschee

Accra Furqan Moschee

Nächste Station war natürlich ein weiterer Geocache. Dieser sollte sich als wahrer Glücksgriff herausstellen, da er sich in einem Geschäft für Holzarbeiten befand. Der Besitzer Francis hat uns viel über seine Arbeit erklärt. Da die Preise auch wirklich sehr niedrig waren, habe ich auch hier nochmal eine Kleinigkeit mitgenommen.

Francis, Clemens und ich

Francis, Clemens und ich

Danach war es dann endlich an der Zeit, zu meinem eigentlichen Ziel Krokobite aufzubrechen. Kurz vor Sonnenuntergang und nach ca. einer Stunde Fahrt konnte ich dann auch erfolgreich in „Big Milly’s Backyard“ einchecken. Am Abend passierte dann, außer einigen Gesprächen mit einheimischen Rastafaris (u.a. mit einem Typen, der sich „Holy Positive“ nennt) nicht mehr viel.

Strand in Krokobite

Strand in Krokobite

Nach der ersten Nacht allein im Dorm (Schlafsaal) startete der Morgen (14.09.) mit einem leckeren Frühstück. Wie alle Unterkünfte, in denen wir bisher an den Stränden untergekommen sind, gab es eher europäisches Essen. Also habe ich mir ein kleines Omelette und einen kleinen Pancake (Eierkuchen) genehmigt. Nach dem Erkundigen an der Rezeption über das nahegelegene Affenschutzgebiet gab es zunächst eine kleine Ernüchterung. Die Affen sind wohl nur zwischen 6.30 und 7.30 Uhr am besten zu sehen. Das wollte ich mir in meinen letzten Tagen in Ghana nicht mehr unbedingt antun. Also habe ich den Vormittag am Strand verbracht. Mit dem Rezeptionist war abgesprochen, nach dem Mittag den Guide zu kontaktieren, der mich auf dem Densu-Delta (ein Flussdelta) mit dem Kanu herumfahren sollte. Gesagt, getan – leider musste ich wieder (TIG) etwa zwei Stunden warten, bis ein weiterer Rastafari Namens „Big Small“ auftauchte und sich als Guide vorstellte. Die Kanufahrt war überraschenderweise sehr entspannt. Immerhin hatte ich auch ein Kanu für mich. Vorbei an Fischfallen, Krabben und Kingfishern (Vogelart) ging es in den Sonnenuntergang. Zum Glück sind wir genau mit einbrechender Dunkelheit wieder am Ufer gewesen.

Densu-Delta bei Sonnenuntergang

Densu-Delta bei Sonnenuntergang

Am Abend habe ich mir nochmal ein kulinarisches Highlight gegönnt: Tilapia. Dies ist ein Süßwasserfisch, der hier oft angeboten wird. Die anderen Praktikanten haben viel davon geschwärmt. Und ich wurde nicht enttäuscht. Dazu gab es Banku und Zwiebeln. Im Anschluss habe ich noch etwas mit Lia und Lars aus Berlin gequatscht, welche am gleichen Tag angekommen sind und ebenfalls im Schlafsaal übernachtet haben.

Tilapia mit Banku

Tilapia mit Banku

Am Dienstag (15.09.) habe ich mich bereits am Vormittag wieder nach Accra begeben. Nach meiner Ankunft im Haus der Host-Mutti Beatrice habe ich mich auch gleich wieder in die Spur gemacht, um Geocache Nr. 3 zu finden. Nach einer etwas längeren Suche wurde ich dann auch fündig. Der Aufwand war recht groß, da ich für Hin- und Rückweg mehr als zwei Stunden im Trotro verbracht habe. Egal, den Spaß war es Wert. Bei unserer Abschlussrunde am Abend haben gab es ein weiteres neues Getränke: Akpeteshi. Dies ist ein Schnaps, der hier aus „Palmwine“ oder Zuckerrohr hergestellt wird und angeblich wirklich fürchterlich schmeckt. Ich fand ihn jedoch genießbar. Zudem wurde mir ein andere Ehre zu teil: ich durfte wie alle anderen am Abend vor meiner Abreise eine Abschlussrede halten. Die Accra-Fraktion hat dies vor einigen Wochen eingeführt. In Kumasi hatten wir sowas leider nicht.

Akpeteshie-Verkostung (schlechte Bildqualität, aber egal)

Akpeteshie-Verkostung (schlechte Bildqualität, aber egal)

Der Mittwoch diente bisher eigentlich nur noch dazu, Kräfte für die Heimreise zu sammeln. Da Olga, die mit mir im gleichen Flieger nach London sitzt, die Accra Furqua Moschee noch nicht gesehen hat, sind wir noch einmal hingefahren. Auch den Handwerkermarkt haben wir nochmal besucht. Nach einem köstlichen Abschlussgericht zum Mittag (Red Red) bereiten wir uns nun auf die Heimreise vor. Ich melde mich dann aus Deutschland nochmal.

Me ko Gyamani.

(Twi für „Ich fahre nach Deutschland.“)

Praktikumsbestätigungen und Höllenmaschinen

Die Woche startete mit einem kleinen Außeneinsatz (07.09.). Michael baut u.a. in Schulen effiziente Cookstoves auf, die in Betrieb genommen oder vervollständigt werden müssen. Also sind wir zu zwei Schulen gefahren. Hier werden diese Kocher in größeren Ausführungen genutzt, um damit die Schulkinder zu verköstigen. Bei der ersten Schule konnten wir einen der Kocher anheizen, da er fertiggestellt war. In der zweiten Schule haben wir lediglich ein paar Löcher gebohrt und Hohlräume verfüllt. Es war dennoch mal ganz angenehm, dem derzeit doch recht langweiligen Praktikumsalltag zu entfliehen (Sauerstoff war natürlich immer noch keiner vorhanden). Die Arbeit an unserem Paper haben wir dafür mal etwas ruhen lassen. Abends haben dann Dimitrije und Bart (meine ehemaligen Zimmerkollegen) ihren Abschied gefeiert, da sie am nächsten Tag nach Accra aufbrechen wollten und um noch etwas zu reisen.

Cookstove in einer Schule

Cookstove in einer Schule

Am Dienstag (08.09.) haben wir eigentlich nur an unserem Paper zum Thema Jatropha gearbeitet, dementsprechend gibt es da leider nicht so viel zu berichten. Wenig später konnten wir es dann auch fertig stellen. Lorenz und ich waren leider allein, da Matthias aufgrund gesundheitlicher Probleme vorsichtshalber wieder im Krankenhaus war, um sich untersuchen zu lassen. Am Abend haben wir dann auch mal Lorenz und Marcos mit dem Uware-Spielen vertraut gemacht.

Für den Mittwoch (09.09.) war die Vorstellung unseres Jatropha-Papers für 10 Uhr angesetzt. Leider hatte Dr. Obeng einen Termin vergessen. Also konnten wir uns doch erst 12 Uhr treffen und hatten wieder ungewollt etwas mehr Freizeit. Im Großen und Ganzen hat er es für gut befunden, was uns natürlich sehr gefreut hat. Vielleicht noch mal zur Erinnerung: wir hatten die Aufgabe, zu recherchieren, inwieweit man die Menge an C02 bestimmten kann, die während der Kultivierung der Jatropha gebunden wird. Also haben wir einfach mal diverse wissenschaftliche Abhandlungen gelesen und alles in einem Paper zusammengefasst. Danach wurden Lorenz, Matthias und ich von Dr. Obeng noch zum Mittagessen auf dem Campus eingeladen. Die Lokalität war toll. Leider muss ich gestehen, dass ich schon wesentlich besseres Waakye (Bohnen und Reis gemischt, dazu etwas Salat und Fisch) gegessen habe. Abends haben wir uns dann mit Obed getroffen, um mit ihn zur Kirche zu begleiten. In Ghana gibt es sehr viele Christen. Auch im täglichen Leben kommt kaum ein Deutscher daran vorbei, über Gott und die Kirche zu reden. Und da die Gottesdienste hier deutlich anders sind als bei uns, schauen viele „Obronis“ (Weiße) mal bei einem solchen vorbei. In den gut zwei Stunden wurde jede Menge und dazu noch sehr impulsiv gesungen. Hin und wieder klatscht man, steht auf und setzt sich wieder – es herrscht also viel Bewegung. Die Liedtexte wurden sogar über einen installierten Flachbildschirm gezeigt. Wie überall waren die Leute hier besonders daran interessiert zu wissen, wo wir herkommen und wo wir in Deutschland zur Kirche gehen etc.

Am Donnerstag (10.09.) war leider wieder mal keiner anwesend, den ich nach meinem benötigten Praktikumszeugnis hätte fragen können. Da ich doch noch einige Dinge einkaufen wollte, bin ich kurzentschlossen auf den Zentralmarkt gefahren. Dank etwas mehr Ortskenntnis hatte ich alles sehr zusammen. Die wichtigste Besorgung war ein neuer Koffer. Ich habe die Gepäckangaben auf der Buchungsbestätigung einfach falsch verstanden… Statt einem Koffer mit maximal 23 kg Gewicht kann es noch ein weiterer mit dem gleichen Gewicht sein. Es ist nicht so, dass ich viel mehr mit nach Hause nehme. Aber bei den ganzen Geschenken wollte ich nicht das Risiko eingehen, einen zu schweren Koffer zu haben. Es ergab sich zudem die Gelegenheit, im „Cultural Center“ vorbeizuschauen, in welchem ghanaische(s)/afrikanische(s) Kunst bzw. Handwerk ausgestellt wird. Wenig später waren wir noch zu einem kleinen Essen auf unserem täglichen Weg zum Campus eingeladen. Drei Frauen (Abi, Rita und Alima), die einen Friseurladen betreiben und mit denen wir fast täglich etwas gesprochen haben, hatten für uns Joloff mit Wurst vorbereitet. Zudem gab es „Sobolo“, ein Getränk mit Ingwer etwas Ananassaft und diversen anderen Dingen. Es schmeckt wie ein Kirschsaft mit Ingweraroma. Es war wirklich sehr lecker und wieder mal ein gutes Bespiel für die ghanaische Gastfreundlichkeit.

Lorenz, Matthias und ich beim Joloff essen

Lorenz, Matthias und ich beim Joloff essen

Gruppenfoto mit den Mädels (plus die Frau im Grünen, die ich nicht kenne)

Gruppenfoto mit den Mädels (plus die Frau im Grünen, die ich nicht kenne)

Der Freitag (11.09.) begann damit, früh nach Suame zu starten, um dort die Werkstatt des TCC zu besuchen. Hier steht u.a. ein Dieselmotor, der dazu dient, Jatropha-Öl zu verbrennen. Lorenz hat das Aggregat liebevoll „Höllenmaschine“ getauft. Und er liegt damit nicht unbedingt falsch – immerhin rattert und vibriert alles, sobald die Maschine läuft. Leider waren natürlich wieder keine Ohrenstöpsel etc. vorhanden, um sich auch entsprechend zu schützen. Die Tests sollten mindestens vier Stunden laufen. Da ich etwas früher aufbrechen musste, um mich noch um mein Praktikumszeugnis zu kümmern, haben wir vorher noch ein Abschiedsfoto geschossen. Auf dem Campus habe ich natürlich wieder mal warten müssen. Nachdem ich bereits vor mehr als einer Woche darauf hingewiesen habe, dass ich eine Bestätigung benötige, wurde es doch erst im letzten Moment fertig gestellt. Naja… zumindest habe ich es jetzt endlich. Also konnte ich dann kurz nach 17 Uhr damit beginnen, mich von den restlichen Leuten zu verabschieden und Kontaktdaten auszutauschen. Abends haben wir dann noch ein Abschiedsgetränk zu uns genommen. Mit dabei war auch Stanley (ein Ghanaer, den kurz zuvor in Freiberg am Institut kennengelernt habe, da er dort ein IAESTE-Praktikum gemacht hat).

Abschlussbild mit den Mitarbeitern des TCC in Suame

Abschlussbild mit den Mitarbeitern des TCC in Suame

Schaurige Höhlen und die Meisterschaft

Für den Samstag (05.09.) war eigentlich ein Ausflug nach Obuasi mit anschließender Übernachtung geplant. Die Stadt ist als Goldgräberstadt bekannt. Dementsprechend kann normalerweise auch eine Mine vor Ort besucht werden. Das wollte ich mir noch entgehen lassen, da Obuasi nur ca. eine Stunde mit dem Trotro von Kumasi entfernt ist. Gleichzeitig sollte noch ein nahegelegener Schrein besucht werden. Bei der Planung des Sonntags hat mir das Schicksal wieder in die Karten gespielt. Es war der vorletzte Spieltag der ghanaischen Premier League. Der beste Club der Stadt, Ashantigold SC, war zu diesem Zeitpunkt Tabellenführer und hatte ein Heimspiel. Der Plan stand also. Dumm nur, dass mein Anruf in der Mine ein paar Tage zuvor ergab, dass diese gerade geschlossen ist und nicht besichtigt werden kann.

Wir haben uns deshalb entschlossen, ersatzweise nach Nsuta-Kwamang zu fahren und dort eine Höhle zu besuchen. Diese wollten wir zu Fuß aus erreichen und rechneten mit etwas weniger als drei Stunden Gehzeit für Hin- und Rückweg. Im Dorf angekommen wusste man auch bescheid, wo wir hinwollen und orderte den Führer herbei. Gleichzeitig kamen noch einige Leute hinzu. Uns wurde gesagt, dass der ältere Herr natürlich nicht mit laufen könnte. Also müssten wir die Strecke mit einem Taxi zurücklegen. Vorher muss zudem noch „Schnapps“ gekauft werden. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen sind wir das Angebot dann mal eingegangen.

Der Schnapps-Mann (er wollte sich fotografieren lassen)

Der Schnapps-Mann (er wollte sich fotografieren lassen)

Mit sieben Personen in einem Taxi ging es zu den an den in der Nähe der Straße gelegenen Höhlen. Nach unserer Ankunft beschwor der Schnapps-Mann mit dem Hochprozentigen erstmal die Geister. Im Anschluss ging es in die Höhle. Bereits vorher hatten wir uns in einem Reisebericht über die Insekten und Fledermäuse schlauch gemacht, die uns in der Höhle erwarten sollte. Fakt ist: uns wurde nicht zu viel versprochen. Bei mehr oder weniger starkem Taschenlampenlicht haben wir uns etwa 20 Minuten durch die Höhle geschlängelt. Highlight war die Stelle, dir wir quasi nur in einem sehr niedrigen Kriechgang absolvieren konnten. Ob wir wollten oder nicht – jeder von uns musste sich auf dem weniger schönen Untergrund (schlammartig; die anderen meinen, es waren Fledermausexkremente; ich sage jedoch, dass das nicht stimmt) mit diversen Körperteilen abstützen. Mit einem kleinen Breakdancebewegung habe auch ich es geschafft. Draußen neben der Höhle konnten wir uns dann glücklicherweise waschen. Nach erfolgreicher Bewältigung der Höhlentour musste natürlich wieder „Schnapps“ verkostet werden. Nach diesem Prozedere ging es zurück.

Fledermäuse ohne Ende

Fledermäuse ohne Ende (Bild von Matthias)

Gruppenbild in der Höhle nach getaner Arbeit

Ich, Matthias, (Fledermaus), Mathias und Marcos nach getaner Arbeit (Bild von Matthias) 

Da wir unverhofft noch viel hatten, sind wir zum nahegelegenen „Bomfobiri Wildlife Sanctaury“ gefahren. Der Touristenguide (Buch) riet zwar zu einer vorherigen Anmeldung. Wir versuchten unser Glück gezwungenermaßen ohne und wurden belohnt. Mit einem Ranger sind wir im Taxi gemeinsam zum Eingang des Schutzgebietes gefahren und haben bei knackiger Mittagshitze einen zweistündigen Marsch durch den Park hingelegt. Hauptattraktion dabei war der Wasserfall.

Bomfobiri-Wasserfall

Bomfobiri-Wasserfall

Im Anschluss konnten wir, nachdem wir eine Anhöhe erklommen haben, noch einen wunderschönen Blick über den Park genießen, bevor es zurückging. Nach einer kleinen Erfrischung in Effiduasi sind wir wenig später wieder sicher in Kumasi eingetroffen. Passenderweise gab es zunächst wieder kein Wasser – gerade das, was man nach einer schweißtreibenden Wanderung eben nicht braucht.

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Blick auf das Schutzgebiet (Bild von Matthias)

Für Sonntag (06.09.) blieb der bisherige Plan bestehen. Mit Mathias und Marcos konnte ich zudem zwei Leute gewinnen, die mit mir das Fußballspiel in Obuasi anschauen und vorher noch den Schrein von Patakoro besuchen wollten. Leider sind wir mit etwas Zeitverzug gestartet. Auch die Suche nach dem passenden Trotro dauerte viel länger als gedacht, da wir wieder nach A nach B und umgekehrt geschickt wurden. Eine Frau, die uns hinführen wollte, wusste leider auch nicht so richtig bescheid. Schlussendlich haben wir den Besuch des Schreins aus Zeitgründen streichen müssen. Nach unserer Ankunft in Obuasi ging es also sofort Richtung Len Clay Stadium. Auf dem Weg fing uns Victor ab, ein Ghanaer, der im „Sicherheitsgewerbe“ arbeitet und uns nach ein paar gewechselten Worten gern zum Spiel begleiten wollte. Wir haben dann mal nicht nein gesagt und sind auf sein Angebot eingegangen. Für einen wieder mal schmalen Taler (5 Cedi = ca. 1,25 €) haben wir dieses Mal sogar überdachte Sitzplätze bekommen. Im Spiel Ashantigold SC gegen WAFA SC war Ashgold klar das bessere Team und hat das Spiel durch einen etwas umstrittenen Elfmeter gewonnen. Gut für uns – so konnten wir gleichzeitig den Meistertitel mit bejubeln.

Ehrenrunde nach dem Gewinn der Meisterschaft

Ehrenrunde nach dem Gewinn der Meisterschaft

Auch wenn ich es ungern sage: stimmungs- und publikumstechnisch geht der Vergleich zwischen meinem bisherigen Favorit Kumasi Asante Kotoko und Aschantigold an letzteren. Farbentechnisch sowieso (Ashantigold tritt in schwarz-gelb an). Dann schlagen jetzt wohl zwei Herzen in meiner ghanaischen Fußballerbrust. „Kum Apem A, Apem Bepa“ = You kill a thousand, a thousand will come (Schlachtruf Kotoko) und „Osono Aboakese” = Big elephants (Schlachtruf Ashantigold). Nach dem Spiel ging es im fürchterlich engen Trotro wieder nach Kumasi. Abends haben wir den Tag noch mit ein paar Praktikanten aus der Accra-Fraktion, die Kumasi besucht haben, ausklingen lassen.

Len Clay Stadium

Len Clay Stadium

Sauerstoffnot und falsche Hemden

Um möglichst entspannt in die Woche starten zu können, habe ich Obed und Ken (weiterer Mitarbeiter am TCC) bereits am vorangegangenen Mittwoch (26.08.) darüber informiert, dass wir doch bitte neuen Sauerstoff brauchen. Und siehe da – bis zum Start der neuen Woche (31.08.2015) war noch rein gar nichts passiert. Wie so oft wurde unsere Nachfrage mit einem Entschuldigung der Marke „You know, we’re working on it.“ abgetan. Ich kann es leider nach sieben Wochen Ghana nicht mehr unbedingt glauben. Offiziell sollte auch Dr. Obeng nach seiner Dienstreise anwesend sein. Ein Anruf blieb jedoch erfolglos, weswegen wir den ersten richtig langweiligen Tag erleben mussten, an dem es rein gar nichts zu tun gab. Ich habe mich primär mit dem Blogschreiben und dem Lesen anderer Blogs beschäftigt. Lorenz und Matthias haben sich die Zeit ähnlich vertrieben. Zum Mittag gab es mal wieder etwas Neues: Rice Balls. Es schmeckt so, wie es sich anhört, nämlich nach Reis. Im Endeffekt scheint es zusammengepresster Reis zu sein. Serviert wird er ähnlich wie Banku, Fufu und Co. mit Palmöl- oder Groundnutsoße.

Rice Balls (mit Soße und Fisch)

Rice Balls (mit Soße und Fisch)

Abends haben wir dann Zuwachs bekommen. Mit Marcos ist ein neuer Praktikant aus Barcelona eingetroffen. Das deutsche Zimmer war damit wieder passé, worüber ich eigentlich aufgrund der Sprachübungen nicht unglücklich bin. Um den Neuen willkommen zu heißen, hatten wir natürlich passenderweise kein Strom. Der Grund: kein Guthaben mehr auf unserer Karte.

Auch der Dienstag (01.09.) sollte so ereignisarm sein wie der Montag. Leider war kein Dr. Obeng in Sicht, weswegen der Vormittag in den Unweiten des Internets verbracht wurde. Am Nachmittag haben wir (Lorenz, Matthias, Ich) uns dann kurzerhand frei genommen und das „Kumasi Fort“ in der Stadt besucht. Mit ein bisschen Fragen und der Koordination über eine kleine Karte sind wir auch recht schadenfrei ans Ziel gelangt.

Lorenz, Matthias und ich am Eingang des Forts

Lorenz, Matthias und ich am Eingang des Forts

Das Fort wurde von den britischen Kolonialherren erbaut und diente u.a. als Ausbildungsstätte für ghanaische Soldaten, die an der Seite der Briten in verschiedenen Kriegen (1. und 2. WK) kämpften. Jetzt ist es ein Militärmuseum, in dem man etwas über die Geschichte der ghanaischen Streitkräfte erfährt und jede Menge erbeuteter Waffen, Fahnen, etc. bestaunen kann.

Blick ins Fort

Blick ins Fort

Natürlich hatten wir am Abend immer noch keinen Strom. Also habe ich die Sache kurzerhand selbst in die Hand genommen und mit dem Hausmeister gesprochen. Wenig später war er wieder vorhanden. Auch hier hatten sich unsere ghanaischen IAESTE-Freunde leider wohl wieder nicht (richtig) gekümmert. An diesem Abend konnten wir zudem zwei weitere neue Praktikantinnen (Katha und Caro aus Deutschland) begrüßen. Zudem war ich am Abend joggen. Da ich bekanntermaßen kein Fan von Früh-Morgens-laufen-gehen bin, habe ich die Aktivitäten wieder eher auf den Abend verschoben. Auch wenn das gefühlt drei Liter mehr Schweiß kostet.

Den Mittwoch (02.09.) können wir schnell abarbeiten. Zum einen gab es wieder keinen neuen Sauerstoff und dementsprechend nichts zu tun. Zum anderen gab es im Zimmer zur Abwechslung mal kein Wasser. Marcos war sichtlich verzweifelt – aber auch er wird sich noch daran gewöhnen. Aufgrund des Wassernotstands haben wir das Workout ausgelassen und auf den nächsten Tag verschoben. Ersatzweise haben wir uns „Jurassic World“ zu Gemüte geführt – geht gerade so, wenn wirklich nichts zu tun ist. Tagsüber war ich übrigens noch mit Obed beim Schneider und wollte meine Sachen abholen. Dann ganze ging leider nicht ohne Ernüchterung von statten. Eines meiner Hemden war zwar weiß, jedoch war das Muster völlig anders als bestellt. Das zweite Hemd kam meinem Wunsch schon etwas näher. Es ist zumindest blau (bestellt war ein Türkis-Ton). Auch die Shorts waren in Ordnung. Beim weißen Hemd habe ich nochmals darauf hingewiesen, wie es denn nun werden soll. Ich durfte also gespannt bleiben. Der ganze Bestellvorgang war mal wieder typisch für Ghana. Man bestellt etwas mit konkreten Vorstellungen und bekommt doch etwas anderes. Ob beim Essensstand („Das sind genug Bohnen, danke.“ Und zack, gibt noch einen Löffel oben drauf) oder beim Schneider (Blau ist doch auch fast Türkis.).

Eine nette Anekdote, die euch zeigt, wie wir hier so leben, gibt es zum Donnerstag (03.09.). Da nach wie vor kein Wasser vorhanden war und eine Dusche nun aber fällig war, gab es morgens die berühmt berüchtigte „tap shower“ oder „bucket shower“. Man möge mir die Anglizismen verzeihen. Es klingt jedoch einfach etwas knackiger als die deutschen Bezeichnungen. Eine kleine Sprachschule: tap = Wasserhahn, bucket = Eimer. Da der Eimer im derzeitigen Zimmer etwas „ranzig“ ist, nutze ich in der Regel nur den Wasserhahn. Mehr muss ich wohl nicht sagen. Das Kopfkino ist eröffnet. Alles übrigens natürlich mit kaltem Wasser – eine warme Dusche sucht man hier in Ghana vergebens (4-Sterne-Hotels mal ausgenommen).

Unsere Dusche

Unsere Dusche

Wie durch ein Wunder hat sich Dr. Obeng am Donnerstagmorgen zurückgemeldet. In einem längeren Gespräch konnten wir unsere Ergebnisse vorstellen und das weitere Vorgehen besprechen. Man merkt ihm an, dass er in Deutschland studiert hat, da es arbeitsmäßig immer gut voran geht. Ich habe schon befürchtet, einen weiteren Tag im Büro mit den extrem unterbeschäftigten Ghanaern verbringen zu müssen. Zu eurer Info: die Ghanaer müssen nach ihrem Bachelor für ein Jahr einen „National Service“ machen, also so etwas wie einen Zivildienst. Viele machen diesen am TCC, jedoch offensichtlich ohne richtige Aufgaben zu bekommen. Also wird die Zeit größtenteils mit Handyspielen, Surfen, etc. abgesessen. Wie sie diese Tristesse aushalten, weiß ich nicht. Abends stand wieder ein Workout an. Nach dem John schon seit über einer Woche weg ist, habe ich jetzt die Organisation übernommen. Da der Innenhof des Hostels nun jeden Tag aufgrund des Semesterstarts gut mit Studenten gefüllt ist, müssen wir schon fast um etwas Platz kämpfen.

Freitag (04.09) haben wir uns wieder unserer neuen Aufgabe (Schreiben eines Papers zum Thema Jatropha) gewidmet. Von Sauerstoff sprachen wir zum Glück nur noch sehr wenig. Bevor Obed mal wieder für zwei oder mehr Stunden verschwunden war, hat er mir noch mein zweites Hemd mitgebracht. Da es zu ungefähr 75 % meiner Bestellung entsprach, habe ich es dann mal mitgenommen. Abends haben wir den Abend nahe der Tech Junction (Junctions sind die Sammelstellen für die Trotros. Die Tech ist die naheste an unserem Hostel.) in einer Bar ausklingen lassen.

Kleine Runde zum Freitagabend (ich trage übrigens ein Dashiki)

Kleine Runde zum Freitagabend (ich trage übrigens ein Dashiki)

Moscheen, Wasserfälle und ein wilder Elefant

Bereits am Donnerstag (27.08.) sind wir zu einem Trip in den Norden aufgebrochen. Die ohnehin nicht zu stressige Arbeitswoche war also entsprechend kurz. 5 Uhr ging es los. Unser erster Halt war die „Tano Boase Sacred Grove“. Dabei handelt es sich um eine kleine Tour durch Steinformationen, die wirklich ein schönes Bild hergeben. Von einem Führer wurden uns die Legenden zur Entstehung erklärt. Die Wanderung erforderte hier und da auch etwas Körpereinsatz, da es auch größere und kleinere Spalten zu überwinden galt.

Tano Sacred Grove

Tano Sacred Grove (Bild von Lorenz)

Nächster Stop war das „Boabeng-Fiame Monkey Sanctuary“, also ein Schutzgebiet für Affen. Auch hier war der Aufenthalt recht kurz. Die Affen selbst scheinen den Umgang mit den Touristen gewöhnt zu sein. Immerhin ist es Standard, die Affen mit Bananen zu locken – kein Wunder also. Dennoch war es schön, diese putzigen Tiere in der Natur zu beobachten. Unsere Unterkunft an diesem Abend war ein katholisches Gästehaus nahe Damango. Eigentlich wäre diese Info jetzt keine besondere Erwähnung wert, wenn nicht der Preis mit 20 Cedi pro Nacht für einen 16-Personen-Raum, keine Moskitonetze, keine funktionierenden Waschbecken und keine Bettlaken schon an Wucher grenzte!

Mona-Affe im Monkey Sanctuary

Mona-Affe im Monkey Sanctuary (Bild von Lorenz)

Am Freitag (28.08.) ging es um 6 Uhr straff weiter im Programm. Immerhin gab es wieder eine Menge zu sehen. Wir sind zunächst zum Mole Nationalpark gefahren. Nach einigen Unklarheiten haben wir uns dann für eine zweistündige Tour auf Jeeps durch Teile das Parks entschieden.

Unsere Gruppe auf dem Jeep (Bild von Lorenz)

Unsere Gruppe auf dem Jeep (Bild von Lorenz)

Bereits bei der Ankunft konnten wir vereinzelt Affen und Antilopen in der Nähe des Hauptquartiers beobachten. Mit einem Ranger pro Fahrzeug haben wir uns dann auf den Weg gemacht. Sehr häufig sind uns Antilopen begegnet. Auch weitere Affen und Warzenschweine haben wir vereinzelt gesehen. Das absolute Highlight sollte aber wenig später folgen – ein Elefant. Also hieß es erstmal: absteigen und ihm zu Fuß folgen. Damit hatte ich bei weitem nicht gerechnet. Ich habe angenommen, dass alles vom Jeep aus bzw. vom Wegesrand in Augenschein genommen wird.

Der Elefant (Bild von Lorenz)

Der Elefant (Bild von Lorenz)

Meine Entscheidung, vor dem Start für 5 Cedi Gummistiefel bei der Anmeldung auszuleihen, hat sich mehr als bezahlt gemacht. Etwa eine halbe Stunde konnten wir zum Fuß dem Elefant folgen und viele Fotos machen. Das Ganze hat auf mich selbst sehr beeindruckend gewirkt. Die wunderschöne Natur, ein Elefant in freier Wildbahn – das war schon sehr tiefgängig und bis jetzt der schönste Moment meines Aufenthaltes hier. Laut Aussage des Rangers hatten wir Glück, einen zu Gesicht bekommen, da im Moment Regenzeit ist und die Tiere dementsprechend viele Wasserstellen im Park finden. Was soll ich sagen? Einmal mehr Glück im Leben gehabt….

Im Anschluss sind wir nahe des Nationalparks noch auf eine kleine Kanutour gegangen und haben uns ein Paar Geschichten zum nahegelegenen Ort (Mognory) und den dort lebenden Menschen angehört. Leider war das Wetter zu diesem Zeitpunkt nicht ganz so berauschend. Im nahe gelegenen „Larabanga“ haben wir dann die älteste Moschee des Landes besucht. Sie wurde angeblich 1421 errichtet. Leider sind zu einer etwas ungünstigen Zeit angekommen. Da gerade Gebetszeit war, konnte ich nicht um die Moschee laufen. Ihr Alter sieht man ihr auf jeden Fall an, betreten durfte ich sie als Nicht-Muslim wie alle aus unserer Gruppe nicht.

Moschee in Larabenga (Bild von Lorenz)

Moschee in Larabanga (Bild von Lorenz)

Generell ist der Norden des Landes eher muslimisch geprägt. Im Gegensatz zur Ashanti-Region um Kumasi sieht man hier entlang der Straßen sehr viele kleine Moscheen. Im Anschluss ging es dann zur Unterkunft in Tamale.

Der Samstag (29.08.) startete mit einem Besuch des „Paga Crocodile Pond“, an welchem es wie der Name schon sagt, Krokodile zu bestaunen gibt. Hier konnten wir uns einzeln und als Gruppe mit einem Krokodil ablichten lassen. Das Tier selbst war leider (oder zum Glück?) etwas phlegmatisch. Natürlich darf man diesen Besuch hinterfragen, da die Tiere in gewisser Weise dressiert werden.

Krokodilreiten

Krokodilreiten

Im Anschluss haben wir das nahe gelegene „Pikoro Slave Camp“ besucht. Dies ist ein Camp, in welchem früher die Sklaven im nördlichen Teil des Landes gesammelt und dann nach Cape Coast gebracht bzw. weiterverkauft wurden. Was neben der ganzen Szenerie besonders bedrückend und dem Thema Sklaverei generell besonders nachdenklich gemacht hat: hier haben Schwarze andere Schwarze als Sklaven behandelt. Abschließend haben wir bei sengender Hitze noch die Grenze zu Burkina Faso besucht. Nach dem Anschlagen ging es dann wieder zurück. In einer Bar haben wir den Tag in Tamale ausklingen lassen.

Übervolle Lastwagen an der Grenze zu Burkina Faso

Übervolle Lastwagen an der Grenze zu Burkina Faso

Den Abschluss des Northern Trips stellte ein Besuch des „Fuller Waterfalls“ auf dem Weg nach Kumasi (30.08.) am Sonntag dar. Nachdem ich mir zunächst wieder etwas unsicher war, ob ich ins Wasser gehen soll, konnte ich dann aufgrund der wirklich schönen Umgebung einfach nicht widerstehen. Nach der etwa zweistündigen Abkühlung und einer Menge geschossener Fotos haben wir uns dann auf dem Weg nach Kumasi gemacht. Alles in allem war es ein wirklich stressiger Trip, da er von vielen Fahrstunden im Bus, heißen Temperaturen und einem vollen Zeitplan gekennzeichnet war. Dennoch war es den Aufwand und jeden Cedi wert.

Unterer Teil der Fuller Waterfalls

Unterer Teil der Fuller Waterfalls

Ich im obereren Teil des Wasserfalls (Foto von Steffi)

Ich im obereren Teil des Wasserfalls (Foto von Steffi)

Endlich destilliertes Wasser

Die Woche begann mit einem Gang zum Labor (24.08.). Ich hatte bereits von den Problemen während der Wandertour in Atwia berichtet. Matthias schien es jedoch wesentlich schlechter zu gehen. Begleitet hat uns Lorenz, einer neuer Praktikant, der in Dresden studiert. Für uns beide sollte später gelten: keine Malaria. Ich konnte mit dem Ergebnis besser leben, da ich mich wieder recht gut gefühlt habe. Da es Matthias jedoch weiterhin schlecht ging, hat er sich zum Entspannen zurück ins Hostel begeben. Leider mussten wir bei der Ankunft feststellen, dass die Suche nach dem heiligen Gral (destilliertes Wasser) weiterhin andauert. Wir haben bereits letzte Woche in Auftrag gegeben, dass wir neues Wasser für die Versuche benötigen. Diese Sache sollte uns in der Woche noch mehrmals beschäftigen.

Da sonst leider nicht viel zu tun und unserer Betreuer weiterhin auf Dienstreise war, habe ich Lorenz kurz die Projekte vorgestellt, mit denen sich das TCC beschäftigt. Nachher haben wir uns noch etwas als Grafiker verdingt und einen Briefumschlag für das TCC „designt“. Da es Obeds Wunsch war und wie gesagt sonst leider keine weiteren sinnvollen Aufgaben zu erledigen waren, haben wir uns der Sache mal angenommen.

Das Endergebnis

Das Endergebnis

Auch am Dienstag (25.08.) war wieder – wie befürchtet – kein destilliertes Wasser vorhanden. Die Bezahlung war wohl weiterhin unklar. Erschwerend kam hinzu, dass das Chemieinstitut wohl oft keinen Strom hatte. Das machte das Füllen unseres Kanisters natürlich schwer, wobei wir für die Versuche nie im Leben 25 Liter sondern allenfalls 1 Liter benötigt hätten. Naja – manchmal werden die Hinweise hier einfach nicht wahrgenommen… TIG. Verwunderlich war zudem, warum ein Chemieinstitut so wenig dest. Wasser vorrätig hat, da dies hier eigentlich wie Sand am mehr benötigt wird. Ich schiebe es mal auf die Semesterferien. Zumindest konnten wir an diesem Tag ins „Suame Magazine“ fahren und dort im Workshop des TCC zwei weitere Proben holen. Das Suame Magazine ist ähnlich dem Zentralmarkt eine Art Viertel, in dem sämtliche technische Teile und Dienstleistungen erworben werden können. Überall findet man ausgeschlachtete Autos und Ersatzteilhändler. Entsprechend der ghanaischen Arbeitsweise ist es natürlich auch sehr dreckig. Öllachen sind quasi überall zu finden – die Belastung des Bodens dürfte demnach hoch sein.

Werkstatt des TCC im Suame Magazine

Werkstatt des TCC im Suame Magazine (Bild von Lorenz)

Im Anschluss sind wir noch ins „Wood Village“ gefahren. Dabei handelt sich es um eine Art Industriekomplex, sprich eine Ansammlung mehrerer Lagerhallen, in denen ausschließlich Holz verarbeitet wird. Überall sieht man Sägen und Haufen von Spänen. Leider kommt der Arbeitsschutz auch hier etwas kurz. Aber zumindest manche Arbeiter tragen festes Schuhwerk und Staubmasken. Am Abend haben wir dann noch Lisa, Johannes, Benjamin und Fabian mit einem Abschiedsgetränk verabschiedet, da alle Kumasi am nächsten Tag verlassen wollten.

Wood Village

Wood Village (Bild von Lorenz)

Natürlich war auch am Mittwoch (26.08.) immer noch kein dest. Wasser da! Da ich bereits vorher mit Obed darüber gesprochen habe, mir einige typisch ghanaische Sachen schneidern zu lassen, hat Obed mir angeboten, mich zum Schneider seines Vertrauens zu führen. Im Endeffekt habe ich mich für zwei Hemden und eine Shorts entschieden. Ich bin gespannt, was rauskommt. In weniger als einer Woche sollte alles fertig sein. Handeln musste ich nicht wirklich viel. Alles zusammen kostet 120 Cedi, was nach derzeitigem Kurs 24€ entspricht. Vorbehaltlich der Qualität ist das aus meiner Sicht mehr als vertretbar, wenn man bedenkt, dass er die Stoffe kauft und alles von Hand gemacht wird. Nach dem Mittagessen konnten wir ENDLICH die ersten Versuche machen, da nun unser lang ersehntes Wasser vorhanden war. Zum Mittag gab es übrigens „Kotomre“ (so wurde mir die Schreibweise erklärt; im Netz findet man es als Kontomire oder Palava Sauce) mit gekochter Yam. Ihr erinnert euch vielleicht an die Riesenportion, an deren Namen ich mich nicht genau erinnern konnte. Dabei handelte es sich um Kotomre. Dazu wird offensichtlich immer gekochte Plantain serviert, weshalb die Portion wieder viel zu groß war. Die Yam fungierte quasi als zweite Sättigungsbeilage. Für besonders Interessierte habe ich mal was rausgesucht: http://mywekutastes.com/kontomire-stew-palaver-sauce-and-yam/.

Kotomre mit gekochter Yam (und auch etwas Eggplant, um ehrlich zu sein)

Kotomre mit gekochter Yam (und auch etwas Eggplant, um ehrlich zu sein)